Literarischer Nachlass

Fundstücke aus dem Nachlass

Fundstücke aus dem literarischen Nachlass 
von Waldemar Bonsels 

Folge 1: Weltbienentag am 20. Mai

Seit 2018 wird am 20. Mai der von slowenischen Umweltschützern initiierte und den Vereinten Nationen (UN) ausgerufene Weltbienentag (World Bee Day) gefeiert. Er macht auf die wichtige Rolle der Bienen bei der Bestäubung von Pflanzen und ihre Bedrohung durch die moderne Landwirtschaft und den Klimawandel aufmerksam. Weltweit gibt es in jedem Jahr viele Aktionen unter dem Motto „Rettet die Bienen!


In der Reihe „Fundstücke...“ stellen wir ausgewählte Objekte aus dem digitalisierten Nachlass von Waldemar Bonsels vor. Anlässlich des Weltbienentags 2020 eröffnen wir die Reihe natürlich mit einem Beispiel zur „Biene Maja“.

Um 1911 schrieb Waldemar Bonsels „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ im Haus seines Freundes Bernd Isemann im nördlich von München gelegenen Oberschleißheim. Mit seiner zweiten Frau Elise und dem gemeinsamen Sohn Nils war er aus Schwabing dorthin gezogen. Der nahegelegene Schlosspark diente ihm wohl auch als Inspiration für die Naturbeschreibungen auf Majas erstem Flug in der Frühlingssonne: 

„Als sie über einem großen Garten angelangt war, der in lauter blühenden Wolken von Kirschbäumen, Rotdorn und Flieder zu ruhen schien, ließ sie sich zu Tode erschöpft nieder. Sie fiel in ein Beet von roten Tulpen und hielt sich an einer der großen Blüten fest, presste sich an die Blütenwand, atmete tief ein und sah über den schimmernden Lichträndern der Blume den strahlend blauen Himmel.“ 

Verschiedene Geschichten ranken sich um die Entstehung des Buches. Eine davon ist eine angebliche Wette zwischen den beiden Freunden, wer das erfolgreichere Kinderbuch mit Insekten als Protagonisten schreiben könne. Während Isemann die Ameise wählte, erfand Bonsels die Figur der Biene Maja. Hat es diese Wette wirklich gegeben, gewann Waldemar Bonsels sie ohne Zweifel. Bis heute hat sich das Buch über 2 Millionen Mal verkauft und die Bienenfigur ist auf der ganzen Welt bekannt.
Maja trifft auf Rosenkäfer Peppi. Scherenschnitt von Martha Tenzler, Zwickau 1946 

Die erste Ausgabe der Buches kam 1912 noch ohne Illustrationen aus. Im Laufe der Zeit nutzen zahlreiche Künstler*innen die Geschichte als Vorlage für ihre Arbeiten. Andere überführten sie in Theaterstücke, Filme oder Opern. Auch die aus Augsburg stammende Krankenschwester Martha Tenzler (1916-2012) ließ sich von der Geschichte um die kleine Bienendame inspirieren. In den 1940er Jahren arbeitete sie in der Radiologie in Arnsdorf und Zwickau. Aus schwarzen Papierumschlägen zur Aufbewahrung von Röntgenaufnahmen begann sie Scherenschnitte zu fertigen. 
Maja und der Blumenelf. Scherenschnitt von Martha Tenzler, Zwickau 1946

1946 entstanden 28 filigrane schwarz-weiß Bilder, die die Abenteuer der Biene Maja nacherzählen. Diese schickte sie aus Zwickau an ihre Familie in Augsburg. Ob sich Tenzler und Bonsels persönlich kannten und wie die kleinen Kunstwerke schließlich im Haus in Ambach gelandet sind, ist nicht überliefert. Online können sie nun jedoch wie Bonsels' umfangreicher Nachlass auf www.monacensia-digital.de bewundert werden.
Maja warnt die Bienenkönigin vor dem Angriff der Hornissen. Scherenschnitt von Martha Tenzler, 
Zwickau 1946.

Herzlichen Dank an H. May/Stadtverwaltung Markt Diedorf für die Publikationsgenehmigung sowie Informationen zu Martha Tenzler.