Literarischer Nachlass

Fundstücke aus dem Nachlass

Fundstücke aus dem literarischen Nachlass 
von Waldemar Bonsels 

Konzept von Christina Lemmen und Dr. Slávka Rude-Porubská
Texte von Christina Lemmen 

Folge 4: Der Getriebene der dunklen Pflicht
von Christina Lemmen 

In der Reihe „Fundstücke...“ stellen wir ausgewählte Objekte aus dem digitalisierten Nachlass von Waldemar Bonsels vor. Folge 4 beleuchtet seinen Kriminalroman „Mortimer“. Online können die Dokumente zu "Mortimer" sowie zu zahlreichen anderen Bonsels´ Werken auf www.monacensia-digital.de/bonsels eingesehen werden.

„Es kam ein junger Herr den durchsonnten Weg der städtischen Anlage entlang, sehr gut im Anzug. Er trug seinen hellen Paletot über dem Arm und hatte den weichen, grauen Hut etwas aus der Stirn gerückt, so dass man sein Gesicht deutlich erkennen und prüfen konnte. Eine sonderbare Art von Vornehmheit zeigte sich hier, die strengen Züge waren herb mit einem Anflug von spöttischer Gelassenheit.“

Fast könnte man meinen, Waldemar Bonsels habe sich hier selbst beschrieben, wie er an einem sonnigen Tag durch den Berliner Tiergarten schlendert. Denn, wie Fotos belegen, ist auch er stets elegant gekleidet. 
Tatsächlich begegnen wir hier jedoch "Mortimer"Titelheld und Hauptfigur des einzigen Kriminalromans aus der Feder von Waldemar Bonsels. Erschienen ist das Buch 1946, die Idee dazu entstand jedoch nach eigener Aussage bereits zehn Jahre zuvor.
Waldemar Bonsels mit Paletot und Hut, Meran 1931. Fotografin: Rose-Marie Bachofen 

Das erste Kapitel von „Mortimer“ ist in der Tat fast wortgleich mit dem zweiten und dritten Kapitel des Romans „Die Reise um das Herz“, veröffentlicht 1938. Die übrigen Kapitel entstehen 1942 und 1943 in seinem Haus in Ambach. Bonsels sieht jedoch während des Zweiten Weltkriegs keine Möglichkeit zur Veröffentlichung. So landet Mortimer" zunächst wieder in der Schublade, aus der er erst nach dem Kriegsende wieder hervorgeholt wird.  

Die Romanhandlung spielt im Berlin der 1920er oder 1930er Jahre; eine Zeit, in der auch Bonsels häufig in der Hauptstadt weilte. Der stets korrekt gekleidete und kultivierte Mortimer, der auch unter dem Decknamen Baron de Sanchez als argentinischer Gesandter auftritt, ist ein Gentleman-Verbrecher. Er verkehrt in den höchsten Kreisen der Hauptstadt-Gesellschaft. Beim nächtlichen Einbruch in eine Bankiers-Villa gelingt ihm der Raub wertvollen Schmucks und einer hohen Summe Bargelds. Neben Mortimer taucht gleich zu Beginn die ihm treu ergebene, ebenso schöne wie intelligente und von Männern umschwärmte Geliebte Jolanthe Gordon, genannt „Jelly“, auf. Diese gehört als Bardame der „Atlantik-Bar“ ebenfalls zu den schillernden Gestalten des Berliner Nachtlebens. Beide umgarnen und verwirren im Laufe der Geschichte die Kommissare Groweland und Krux – es lohnt sich, die Namen der Charaktere dieses Romans näher unter die Lupe zu nehmen –, während sie mit ihnen über Verbrechen, Moral und Schuld diskutieren.

Die vermutlich ersten Entwürfe für den Roman finden sich in einem ledergebundenen Notizbuch, auf dessen Einband kunstvoll die Initialen „WB“ geprägt sind. Außerdem existiert eine „I. Reinschrift“, ein 250-seitiges Typoskript mit handschriftlichen Anmerkungen, das den Titel „Die Getriebenen der Dunklen Pflicht“ trägt. Unklar bleibt hier, welche der Figuren zu den „Getriebenen“ zählen. Die ebenfalls erhaltene „II. Reinschrift“ präzisiert: „Der Getriebene der Dunklen Pflicht“ mit dem Untertitel „Der Pantherpfad“.
Titelblatt „Der Getriebene der dunklen Pflicht“, um 1946

Unter dem Titel „Der Getriebene der dunklen Pflicht“ entstehen 1949 auch Entwürfe für ein Drehbuch in Verhandlung mit den Alster Film Studios in Hamburg. Ohnehin legt die Erzählweise des Romans nahe, dass Bonsels dessen Verfilmung bereits beim Schreiben vorschwebte. Seit dem Biene Maja-Film mit realen Bienen und einer Filmexpedition nach Brasilien im Jahr 1924 wollte Bonsels unbedingt einen weiteren Film drehen. Die USA-Reise von November 1934 bis Mai 1935, die er auch unternommen hatte, um in Hollywood Fuß zu fassen, war in dieser Hinsicht kein Erfolg gewesen.

 

Fünfzehn Jahre und einen Weltkrieg später versucht Bonsels erneut sein Glück. Immerhin hatte er schon seit Mitte der 1920er Jahre Kontakte zur UFA in Berlin und über Freundinnen wie Pamela Wedekind und Brigitte Horney auch zu schauspielerischen Kreisen. Als Darsteller von Mortimer fasst er den Schauspieler und Intendanten Gustav Gründgens ins Auge. Jolanthe Gordon soll von dessen zweiter Ehefau Marianne Hoppe – in erster Ehe war Gustav Gründgens mit Erika Mann verheiratet gewesen – gespielt werden. Beide hatten während der NS-Zeit ihre Karrieren gestartet. Trotz intensiver Verhandlungen, auch mit internationalen Studios, kommt der Film nicht zustande, teils aufgrund mangelnder Finanzierung, teils wegen Bonsels' fortschreitender Krankheit.
Marianne Hoppe und Gustav Gründgens als Darstellervorschläge für Jolanthe und Mortimer, Notizbuch 1949

Auch das Buch ist in der Nachkriegszeit kein Bestseller. Vermutlich, weil er zu sehr in der vergangenen Zeit verhaftet ist. Zudem stellt er zwar nicht genuin politische, aber im Rezeptionskontext der Nachkriegszeit äußerst unangenehme Fragen nach Pflichterfüllung und Schuldverantwortung, denen man eher aus dem Weg geht. Spannend zu lesen ist der Roman jedoch auch heute noch. Ob Jelly und Mortimer den beiden Gesetzeshütern ins Netz gehen oder ob ihnen die Flucht samt erbeutetem Schmuck gelingt, dafür sei die eigene Lektüre empfohlen.

Folge 3: Alleinerbin Rose-Marie Bonsels
von Christina Lemmen

In der Reihe „Fundstücke...“ stellen wir ausgewählte Objekte aus dem digitalisierten Nachlass von Waldemar Bonsels vor. In Folge 3 geht es um seinen Tod am 31. Juli 1952 und sein Erbe. 
Online können die biografischen Dokumente wie Bonsels´ Testament, seine Krankheitsakten sowie der weitere umfangreiche Nachlass auf www.monacensia-digital.de/bonsels eingesehen werden.

Mit dem Morgen des 1. August 1952 findet sich Rose-Marie Bonsels in einer neuen Rolle: Am Vorabend ist ihr Mann gestorben und Waldemar Bonsels hatte sie, seine dritte Ehefrau, als alleinige Erbin bestimmt. Ein Testament von 1924 setzte noch seine fünf Söhne als Erben ein. Seine zweite Frau Elise sowie Edith von Schrenck, die Mutter seines unehelichen Sohns Kay, sollten bis zum Ende ihres Lebens mit den Erlösen der Nutzungsrechte versorgt sein. 
Rose-Marie Bonsels, Anfang der 1950er Jahre

Doch dieses Testament änderte Waldemar Bonsels anlässlich der Hochzeit 1950 mit Rose-Marie Bachofen, die bereits seit über 20 Jahren seine Lebenspartnerin war, zu deren Gunsten. Drei der Söhne waren bereits gestorben und so sollten nur seine Enkelkinder Anteile an den Rechten der Werke erhalten. Da die beiden noch lebenden Söhne jedoch auf ihrem Pflichtteil bestanden, gingen die Enkelkinder leer aus. Waldemar Bonsels' literarisches Lebenswerk lag also nun in der Hand von Rose-Marie Bonsels. 
Testament von Waldemar Bonsels, 25. August 1950

Die letzten Monate von Waldemar Bonsels' Leben waren geprägt von zahlreichen Klinikaufenthalten in München und der Schweiz. 1949 Jahre war er an Rheuma und Lymphdrüsenkrebs erkrankt und hatte sich in der Hoffnung auf Heilung zahlreichen Strahlentherapien unterzogen. Bilder vom Herbst 1950 zeigen den Schriftsteller sichtlich schmal und blass. Er unternimmt, meist mit Rose-Marie an seiner Seite, Kuraufenthalte und verbringt seine übrige Zeit hauptsächlich in Ambach am Starnberger See. Briefe muss er jetzt häufig diktieren und Besuche von Freund*innen, die früher so zahlreich und willkommen waren, lehnt er immer häufiger ab, da er sich nicht mehr auf der Höhe seiner geistigen Kräfte sieht. Auch ansonsten war es ruhig geworden um den erfolgreichen Schriftsteller der 1920er und 30er Jahre. 1949 erscheint noch „Die Herrschaft des Tieres“, eine Sammlung von Tiergeschichten, deren Edition Rose-Marie übernimmt. Ein letztes autobiografisches Buch mit dem Titel „Die sieben Sachen“ bleibt unvollendet.
Waldemar Bonsels 1950, Fotograf: Herbert Abraham, Starnberg

Mitte 1952 wird klar, dass alle Hoffnung auf Heilung vergebens ist, auch wenn Rose-Marie sich noch daran festgehalten hatte, wie sie in einem Brief an Johannes R. Becher schreibt:

„Mein Mann ist sehr lange krank gewesen. Dennoch ist sein Tod unfassbar und mit schmerzlicher Plötzlichkeit hereingebrochen, nicht für ihn, ich jedoch hoffte so sehr dies hindern zu können.“
Rose-Marie Bonsels an Johannes R. Becher: Ambach, 12. September 1952

In ihrer Trauer hat sie das Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Als einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist Waldemar Bonsels jedoch - auch in seinem Tod - eine öffentliche Figur. Und so veröffentlicht sie umgehend die Todesnachricht. Die Nachrufe in Zeitungen und im Rundfunk sind eher verhalten und zum Teil durchaus kritisch. Waldemar Bonsels wird als Autor vergangener Tage angesehen und schon jetzt wird prognostiziert, dass es wohl „Die Biene Maja“ ist, die sein Andenken wachhalten wird.

Am 5. August 1952 findet die Einäscherung auf dem Ostfriedhof in München statt. An einem geschützten Platz im Garten seines Hauses in Ambach findet Waldemar Bonsels' Urne die letzte Ruhe. Umgeben ist das Grab von Rosensträuchern, die Freunde nach Ambach geschickt haben und die Rose-Marie einpflanzt. 

Grabstelle von Waldemar Bonsels in Ambach, Foto: Lini Hübsch-Pfleger

Den Grabstein ziert ein Zitat aus seinem 1915 veröffentlichten Roman „Himmelsvolk. Ein Märchen von Blumen, Tieren und Gott“: 

„Wir sind alle aus Freude geboren und kehren zu ihr zurück."

Folge 2: Immer wieder Capri
von Christina Lemmen

In der Reihe „Fundstücke...“ stellen wir ausgewählte Objekte aus dem digitalisierten Nachlass von Waldemar Bonsels vor. In Folge 2 geht es um seine Reisen auf die italienische Insel Capri. 
Online können die Dokumente zu Capri sowie der weitere umfangreiche Nachlass von Waldemar Bonsels auf www.monacensia-digital.de/bonsels eingesehen werden.

Das Foto aus dem Jahr 1929 zeigt Waldemar Bonsels in legerer, doch dandyhafter Kleidung, wie so häufig rauchend. Die Sonne scheint und er hat es sich auf der steinernen Bank nahe der Casa Romita bequem gemacht. Entspannt blickt er in die Kamera. Über dem Hemd mit Krawatte trägt er eine Strickjacke, auf dem Kopf einen Fedora; vielleicht ein Borsalino – schließlich befindet man sich in Italien. Und der insulanen Atmosphäre muss auch die Garderobe eines Bohemiens gerecht werden.
Waldemar Bonsels auf Capri, 1929

Immer wieder zieht sich Bonsels auf die etwa 5 km vor Neapel liegende Insel zurück, um dort in Ruhe zu schreiben – wenn er es nach eigenen Angaben auch nie länger als zwei Monate aushielt. Oft verbringt er die Wintermonate in der milden Luft des Südens, hält sich jedoch auch im Sommer dort auf. Nach Deutschland schickt er Briefe und Postkarten an Freunde und Familie. 
Brief an Rose-Marie Bachofen, 1931

Ein Brief an seine spätere Ehefrau Rose-Marie Bachofen zeigt, warum Bonsels Capri so genießt: 

„Jetzt bin ich endlich wieder in Sonne, Fels und Meer geborgen und werde langsam wieder ein Mensch und ich selbst.“ 
Waldemar Bonsels an Rose-Marie Bachofen: Capri, 10. März 1931

Bereits im April 1908 führt eine Italienreise Bonsels das erste Mal nach Capri. Auf der Insel hatten sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts europäische Schriftsteller*innen und Künstler*innen eingefunden, die teils monatelang, teils dauerhaft blieben. 

Die Mischung aus international-künstlerischem Publikum, atemberaubender Landschaft und wohltuender Einsamkeit sowie das milde Klima übten auf Bonsels eine große Anziehungskraft aus. Deutsche Besucher*innen bezogen meist das Hotel Pagano und während seiner ersten Besuche wohnt auch Bonsels hier. 
Ab 1916 mietet er jedoch die am südöstlichen Inselrand über der Steilküste gelegene Casa Romita. Hier beendet er die „Indienfahrt“, in der er vermeintlich autobiografische Erlebnisse aus seiner Zeit als Missionskaufmann in Indien (1903-1904) verarbeitet. 

Casa Romita, um 1925

Dem zweiten Band seiner Mario-Trilogie „Mario und Gisela“ gibt Bonsels 1929 auf Capri den letzten Schliff. „Tage der Kindheit“ entsteht im darauffolgenden Jahr. Den Juni 1935 nutzt er nach einer halbjährigen USA-Reise für die Fertigstellung von „Der Reiter in der Wüste – Eine Amerikafahrt“. Die mediterrane Felseninsel ist für den Erfolgsschriftsteller somit nicht nur ein Rückzugs- und Erholungsort, sondern auch ein Ort literarischer Produktivität. 
Manuskript zu "Mario im Schloss" (Auszug aus "Mario und Gisela"), 1929

Eine besondere Inselfreundschaft verbindet Waldemar Bonsels mit dem Maler Hans Paule. Er lässt sich von ihm malen, kauft häufig seine Bilder oder vermittelt diese an Freunde und Bekannte. In seiner Erzählung „Die Spur im Sand“ von 1919 verewigt Bonsels den künstlerischen Freund. Weilt Bonsels nicht auf Capri, herrscht zwischen den beiden ein reger Briefverkehr, der erst mit Paules Tod 1951 endet.

Immer wieder nimmt Bonsels auch Gäste in seiner kleinen Villa am Meer auf. Sein Sohn Holger wohnt um 1927 für einige Zeit hier. Die Tänzerin und langjährige Lebensgefährtin Edith von Schrenck gibt dort Tanzkurse; etwa im Sommer 1931, an dem auch Rose-Marie Bachofen teilnimmt. 

Bei aller Idylle wirft Waldemar Bonsels opportunistische Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus einen Schatten auf den Insel-Besucher. Seit Winter 1932 hält er sich auf Capri auf und wartet das unruhige Ende der Weimarer Republik aus sicherer Entfernung ab. Nach der Machtergreifung schickt er im Frühling 1933 an das Propagandaministerium in Deutschland den antisemitischen Artikel „Begründungen“, der in zahlreichen Zeitungen veröffentlicht wird.

1937 besucht Bonsels Capri vermutlich zum letzten Mal. Der Zweite Weltkriegs macht solche Reisen undenkbar und auch nach dem Krieg kehrt Bonsels nicht wieder zurück. Im letzten erhaltenen Brief aus Capri an Rose-Marie schreibt er:

„Ich habe gestern mein Ms. [Manuskript] zugeklappt und die Koffer hervorgeholt. Ich werde mich noch eine Woche ausschlafen und dann abreisen.“
Waldemar Bonsels an Rose-Marie Bachofen: Capri, 22. Februar 1937

Folge 1: Weltbienentag am 20. Mai
von Christina Lemmen

In der Reihe „Fundstücke...“ stellen wir ausgewählte Objekte aus dem digitalisierten Nachlass von Waldemar Bonsels vor. Anlässlich des Weltbienentags 2020 eröffnen wir die Reihe natürlich mit einem Beispiel zur „Biene Maja“.

Seit 2018 wird am 20. Mai der von slowenischen Umweltschützern initiierte und den Vereinten Nationen (UN) ausgerufene Weltbienentag (World Bee Day) gefeiert. Er macht auf die wichtige Rolle der Bienen bei der Bestäubung von Pflanzen und ihre Bedrohung durch die moderne Landwirtschaft und den Klimawandel aufmerksam. Weltweit gibt es in jedem Jahr viele Aktionen unter dem Motto „Rettet die Bienen!

 

Um 1911 schrieb Waldemar Bonsels „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ im Haus seines Freundes Bernd Isemann im nördlich von München gelegenen Oberschleißheim. Mit seiner zweiten Frau Elise und dem gemeinsamen Sohn Nils war er aus Schwabing dorthin gezogen. Der nahegelegene Schlosspark diente ihm wohl auch als Inspiration für die Naturbeschreibungen auf Majas erstem Flug in der Frühlingssonne: 

„Als sie über einem großen Garten angelangt war, der in lauter blühenden Wolken von Kirschbäumen, Rotdorn und Flieder zu ruhen schien, ließ sie sich zu Tode erschöpft nieder. Sie fiel in ein Beet von roten Tulpen und hielt sich an einer der großen Blüten fest, presste sich an die Blütenwand, atmete tief ein und sah über den schimmernden Lichträndern der Blume den strahlend blauen Himmel.“ 

Verschiedene Geschichten ranken sich um die Entstehung des Buches. Eine davon ist eine angebliche Wette zwischen den beiden Freunden, wer das erfolgreichere Kinderbuch mit Insekten als Protagonisten schreiben könne. Während Isemann die Ameise wählte, erfand Bonsels die Figur der Biene Maja. Hat es diese Wette wirklich gegeben, gewann Waldemar Bonsels sie ohne Zweifel. Bis heute hat sich das Buch über 2 Millionen Mal verkauft und die Bienenfigur ist auf der ganzen Welt bekannt.
Maja trifft auf Rosenkäfer Peppi. Scherenschnitt von Martha Tenzler, Zwickau 1946 

Die erste Ausgabe der Buches kam 1912 noch ohne Illustrationen aus. Im Laufe der Zeit nutzen zahlreiche Künstler*innen die Geschichte als Vorlage für ihre Arbeiten. Andere überführten sie in Theaterstücke, Filme oder Opern. Auch die aus Augsburg stammende Krankenschwester Martha Tenzler (1916-2012) ließ sich von der Geschichte um die kleine Bienendame inspirieren. In den 1940er Jahren arbeitete sie in der Radiologie in Arnsdorf und Zwickau. Aus schwarzen Papierumschlägen zur Aufbewahrung von Röntgenaufnahmen begann sie Scherenschnitte zu fertigen. 
Maja und der Blumenelf. Scherenschnitt von Martha Tenzler, Zwickau 1946

1946 entstanden 28 filigrane schwarz-weiß Bilder, die die Abenteuer der Biene Maja nacherzählen. Diese schickte sie aus Zwickau an ihre Familie in Augsburg. Ob sich Tenzler und Bonsels persönlich kannten und wie die kleinen Kunstwerke schließlich im Haus in Ambach gelandet sind, ist nicht überliefert. Online können sie nun jedoch wie Bonsels' umfangreicher Nachlass auf www.monacensia-digital.de bewundert werden.
Maja warnt die Bienenkönigin vor dem Angriff der Hornissen. Scherenschnitt von Martha Tenzler, 
Zwickau 1946.

Herzlichen Dank an H. May/Stadtverwaltung Markt Diedorf für die Publikationsgenehmigung sowie Informationen zu Martha Tenzler.