Förderprojekte

Bücher als Zukunftsvisionen

Leseförderung

Bücher als Zukunftsvisionen

Ein Projekt zur Leseförderung in der Joseph-von-Fraunhofer-Schule, München

Bei der konzeptionellen Gestaltung des Projektes galt es zum einen, Leseförderung und Persönlichkeitsbildung bei den beteiligten Schülerinnen und Schülern der Joseph-von-Fraunhofer-Schule (Staatliche Realschule München II) mittels einer produktiv-kreativen Herangehensweise an den literarischen Text „Die Scanner“ von Robert M. Sonntag (Fischer Verlag 2013) zu ermöglichen. Zum anderen sollten auch Lehramststudierende professionalisiert werden bzw. eine implizie Form der Lehrerweiterbildung durch die Einbindung in das Projekt realisiert werden. Werteerziehung - also eine reflektierende Auseinandersetzung mit Werten und Lebensentwürfen, die sowohl bei der Lektüre literarischer Texte als auch bei der Kommunikation über gelesene Texte und beim eigenen Schreiben erfolgt - ist dabei der zentrale Ansatzpunkt des Leseförderungsprojektes. Sie vollzieht sich vor dem Hintergrund folgender Gedanken: 

  • Lesen hilft, um über sich selbst nachzudenken und das eigene Sprechen bzw. Schreiben vielfältiger zu gestalten. Darum gehört es zu den Aufgaben des Deutschunterrichts, neben der sprachlich-formalen Geneuigkeit die kreativen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
  • Ergebnisse der Leseförderungsforschung dokumentieren, wie prägend die peers für die Entwicklung der Lesemotivation und des Leseverstehens sind, Es also diese Motivation in Schülergruppen zu nutzen.
  • Darüber hinaus lassen Studien zur Lesesozialisation erkennen, dass zwischen Leseerfahrung und aggressiver Orientierung eine negative Korrelation zu erkennen ist. Leseförderprojekte können - durch die Intensivierung von Leseerfahrungen - folglich auch als Primärprävention verstanden werden.

 

Im Zentrum des Projektes steht der Text „Die Scanner“. Er stellt eine Adaption von Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ aus dem Jahr 1953 dar: Hier wandelt sich der Protagonist Guy Montag vom Büchervernichter zum Dissidenten. In „Die Scanner“ gibt der Protagonist Robert M. Sonntag Einblick in die „Bekehrung“ des Scanners. Im Jahr 2035 hat dieser den Auftrag, alle noch existierenden Bücher zu scannen, damit für alle medial verfügbar zu machen und anschließend die Printausgaben zu vernichten. Er entdeckt aber, dass der Auftraggeber, die Scan AG, die Texte zensiert. Die demokratische und vernetzte Wissensgesellschaft ist also nur das vermeintliche Ziel, tatsächlich geht es um wirtschaftliche und machtpolitische Interessen eines rücksichtslosen Konzerns. Der „Ex-Scanner“ wird in geheimer Mission zum Kämpfer für die Rettung der letzten Bibliothek, der für die Wertschätzung der Urheberschaft und gegen die „Umsonstkultur des Internets“ eintritt.

Eingeflochten in diese Fragen nach den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung ist eine Auseinandersetzung um Freundschaft und Liebe in Zeiten globaler Digitalbekanntschaften und damit die Reflexion der Auswirkungen des Medienwandels auf den Einzelnen. Der Text führt visionär vor, wie die Welt nur durch die digitale Datenbrille „Mobril“ gesehen wird und die unmittelbare, sinnliche Welterfahrung nur mehr sehr risikoreich möglich ist. Jeder ist über Mobril jederzeit erreichbar, manipulierbar und kann stets kontrolliert werden. Dass diese Vision derzeit durch die Entwicklung digitaler Datenbrillen zur Realität wird, macht eine Lektüre besonders spannend und für Diskussionen anschlussfähig. Dadurch erhält die Thematisierung des Umgangs mit Macht und Verantwortung ausgehend von einem literarischen Text vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen zunehmende Brisanz für Schülerinnen und Schüler.


Auf eine intensive und von studentischen Mentorinnen und Mentoren begleitete Lesephase folgten Lesegespräche, die ausgehend von produktiven Arbeitsaufträgen zum gelesenen
Text anhand eines Lernzirkels differenzierte Aufgaben an die Schülerinnen und Schüler gestellt haben. Als Überleitung von der Verarbeitung der Leseerfahrungen zur Textproduktion wurden Collagen erstellt. Darin konnten Bildmaterialien entsprechend der eigenen Vorstellungen zur Zukunft im Jahr 2035 zusammengestellt werden. Außerdem wurden in einer Schreibwerkstatt Zukunftstexte entworfen und in einer Linolschnittdruckwerkstatt Illustrationen der Schülertexte angefertigt. Zum Abschluss erhielt jeder Schüler/jede Schülerin sein/ihr Buch als ein erstes Ergebnis der Projektwoche. Im Nachgang zum Projekt wurde als weiteres Ergebnis der Projektwoche für alle Beteiligten ein Exemplar des „Klasse(n)buchs zu den Visionen der Zukunft“, in dem sämtliche Zukunftsgeschichten der Schüler mit den Illustrationen enthalten sind, gedruckt.


Bildergalerie zum Projekt